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Vortrag (20 Min., 5 Min. Diskussion, 5 Min. Raumwechsel)

Schaumextrusion von Phenolformmassen zu tragenden Isolationsbauteilen

Wednesday (18.09.2019)
12:00 - 12:30 Uhr Rotterdam
Bestandteil von:


Die Schaumextrusion von Thermoplasten ist Stand der Technik. Dagegen ist die Herstellung von geschäumten Duroplasten auf Flüssigsysteme begrenzt. Hierbei wird vor allem auf das Blockschäumverfahren zurückgegriffen. Die hergestellten Blockschäume zeichnen sich durch exzellente Isolationseigenschaften aus. Allerdings besitzen sie nur geringe mechanische Eigenschaften. Im neuentwickelten Extrusionsverfahren können tragende Bauteile mit moderaten Isolationseigenschaften hergestellt werden. Mögliche Anwendungsbereiche liegen im energieoptimierten Bauen, wobei der Fokus bei Dämmlösungen zur Verringerung von Wärmebrücken liegt. Im Vergleich zur Thermoplastschaumextrusion herrschen andere Prozessbedingungen bei der Duroplastschaumextrusion vor. Sogenannte Phenolformmassen bestehen aus einem Harz-Härter-Füllstoff-System, welche ähnlich zu Thermoplasten bei Raumtemperatur rieselfähig vorliegen. Diese Formmassen werden bei der Extrusion bei Temperaturen zwischen 100 und 130°C plastifiziert und anschließend bei Temperaturen bis 190°C ausgehärtet. Durch ihr komplexes Fließ-Härtungsverhalten sinkt bei der Aushärtung kurzzeitig die Viskosität in den Bauteilrandbereichen. Anders als bei erstarrenden Thermoplastschäumen können daraufhin Geometrien abgebildet und damit endkonturnah Bauteile hergestellt werden. Somit werden Konfektionsabfälle und weitere Bearbeitungsschritte minimiert. Geometrien wie Nutten und Überlappungen mit geschlossener Oberfläche sind realisierbar. Ein weiterer Vorteil von den in der Extrusion hergestellten Phenolbauteilen liegt in deren exzellenten flammhemmenden Eigenschaften. Zusätzlich werden bei Verwendung von endothermen Treibmitteln diese im Extrusionsprozess nicht komplett umgesetzt und dienen als weitere Brandhemmer. Daher kann auf weitere ökologisch bedenkliche Flammschutzmittel wie bei XPS-Schäumen komplett verzichtet werden.

Sprecher/Referent:
Dipl.-Ing. Daniel Methe
Technische Universität Chemnitz
Weitere Autoren/Referenten:
  • Prof. Dr. Michael Gehde
    Technische Universität Chemnitz